Minister Meyer und die flotten Bienen

Eschershäuser Raabe-Imker beantragen Förderung – und bekommen persönlichen Besuch vom Minister


Eschershausen (nig). Es war eine kurze Textzeile im TAH, welche die Raabe-Imker in Eschershausen aufhorchen ließ. Mit einem neuen Förderprogramm wolle Landwirtschaftsminister Christian Meyer landwirtschaftliche Betriebe unterstützen, hatte er darin angekündigt. „In gewisser Weise sind wir auch ein landwirtschaftlicher Betrieb“, fand die Schülerfirma der Haupt-und Realschule Eschershausen und schickte kurzerhand einen Förderantrag ins Ministerium. Denn einen Balkenmäher, um die verwilderte Wiese neben der Schule bienenfreundlich zu machen, könnten die Raabe-Imker dringend brauchen.
Der Brief landete auf dem Tisch von Minister Meyer, und der antwortete: Eine Förderung sei zwar nicht möglich, aber die fleißigen Raabe-Imker, die wolle er doch gern mal persönlich kennenlernen. So einigte man sich auf einen Besuchstermin, nun konnten die Schüler den hohen Besuch aus der Landeshauptstadt willkommen heißen.
Interessiert ließ sich Minister Meyer erklären, dass die Schülerfirma mit Geschäftsführung, Personalchef und Finanz-„Controller“ wie ein echtes Unternehmen aufgestellt ist, dass die Schüler entsprechende Zertifikate brauchen, um Honig produzieren zu dürfen, und die „Raabe Imker GmbE“ strenge Auflagen erfüllen muss, um den Honig offiziell verkaufen zu dürfen. Die Nachfrage sei enorm, erklärte Betreuungslehrer Andreas Müller dem Minister das Dilemma. „Wir könnten viel  mehr  verkaufen,  als  wir produzieren können. “Das Problem: Die gepachtete Wildwiese neben dem Schulgelände, auf der die beiden Bienenstöcke stehen, wuchert zu schnell  mit  Unkraut  zu.  Die Kinder kommen mit dem Mähen einfach nicht hinterher. Dadurch finden die beiden Bienenvölker in der Umgebung nicht genügend Nahrung, der Honigertrag fällt mitunter mager aus.

Abhilfe könnte ein Balkenmäher schaffen, mit dem die Wiese regelmäßig gemäht wird, sich „bienenfreundliche“ Pflanzen durchsetzen könnten. Doch der – das haben die Schüler per Kostenvoranschlag ermittelt, den sie dem Minister bei seinem Eschershausen-Besuch vorzeigten – kostet etwa 1.300 Euro. Meyer, der in seinem Ministeriums-Garten selbst zwei Bienenstöcke besitzt, lobte zwar die Arbeit der jungen Nachwuchs-Imker und stellte eine kleine private  Spende  in Aussicht, machte in Bezug auf den Balkenmäher  aber  keine  Hoffnung auf eine Landesförderung. Dennoch kam er nicht mit leeren Händen nach Eschershausen. Samenmischungen für bienenfreundliche  Pflanzen hatte er im Gepäck – und darf auf seinerseits ein kleines Geschenk zum Dank entgegen nehmen: Ein Glas Honig, selbst hergestellt von den Raabe Imkern.


TAH,  SONNABEND, 19. JULI 2014