Bericht über die Raabe Imker GmbE im Schulverwaltungsblatt


Auf der ersten landesweiten Schülerfirmenmesse auf dem Expo-Gelände in Hannover, erregte die Raabe Imker GmbE mit ihrem professionellen Messestand Interesse bei Verantwortlichen des Kultusministeriums. (Hier das veröffentlichte Interview mit dem Betreuer der Schülerfirma, dem Lehrer A. Müller)

Die Raabe Imker GmbE

In einer Schülerfirma sind die Schülerinnen und Schüler die Chefs und die Angestellten. So ist es auch bei der Raabe Imker GmbE der Haupt- und Realschule Eschershausen. Es gibt einen Vorstand, eine Geschäftsführung, einen Chef-Imker, Imkerhelferinnen und –helfer und Verantwortliche für Personal, Finanzen, Marketing und Verkauf. Aber die Lehrkraft im Hintergrund spielt auch eine wichtige Rolle, nicht nur als Garant von Kontinuität. Andreas Müller, Lehrer für Technik, Werken und Wirtschaft, hat die Schülerfirma Raabe Imker GmbE vor nahezu zehn Jahren ins Leben gerufen und betreut sie seitdem beharrlich und engagiert. Er konnte seine persönliche Leidenschaft für die Imkerei im Interesse seiner Schülerinnen und Schüler in die schulische Arbeit einbringen und sorgt mit Umsicht und System dafür, dass sich die nachwachsende Generation von dieser Leidenschaft anstecken lässt.

Bei der Raabe Imker GmbE  arbeiten jedes Jahr 10 bis 15 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 5 bis 10 mit. Jungen wie Mädchen sind dabei, Hauptschule und Realschule sind vertreten. Die Firma ist Teil des AG-Angebots der Schule, hat aber einen besonderen Status. „Wir können schon im Vorfeld der AG-Wahlen auf die Suche nach geeigneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehen“, verrät Müller. Wer die Schülerfirma als AG wählt, lässt sich allerdings auch auf mehr als andere ein, denn er unterschreibt einen Arbeitsvertrag und übernimmt so für ein Schuljahr Verpflichtungen in einem Team. Dieser Team-Aspekt ist ganz wichtig, denn wer eine Aufgabe übernimmt, ist nicht primär dem Lehrer, sondern den Kolleginnen und Kollegen gegenüber in der Pflicht. „Das Pflichtbewusstsein der Beteiligten ist enorm“, stellt Müller stolz fest.

Auf dem Tietelfoto zu sehen ist Michel Bötte aus der 6b der HRS Eschershausen

Wie sieht nun die konkrete Arbeit aus? Wie in anderen AGs trifft man sich einmal wöchentlich zu einer AG-Doppelstunde – donnerstags von 14 bis 15.30 Uhr. Aber je nach Arbeitsanfall sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma auch zu anderen Zeiten im Einsatz, zum Beispiel am Wochenende. „Wenn der Honig reif ist, muss er geschleudert werden“, erzählt Müller. „Das kann auch mal am Sonnabend sein.“ Auch das Abfüllen des Honigs verdient keinen Aufschub, denn sonst wird der Honig hart.

Andere Arbeiten sind längerfristig planbar und können zeitlich gestreckt werden. Dazu gehören regelmäßige Kontrollen der Bienenvölker in der warmen Jahreszeit, das Bauen von Beuten und Rähmchen für die nächste Saison in der kalten Jahreszeit. Dazu gehört die Pflege der eigenen Wiese, die der Schülerfirma von der Gemeinde zur Nutzung überlassen worden ist. Und dann fällt natürlich der Verkauf der eigenen Produkte, Honig und Kerzen aus Bienenwachs, in der Schule und auf dem Weihnachtsmarkt an.

Nachhaltig ist diese Arbeit der Raabe Imker GmbE in mehrerlei Hinsicht. Es gibt die ökologischen Aspekte der Produktion von Honig und Wachs im Einklang mit der Natur und der Vermehrung und Erhaltung seltener Pflanzen. So bemühen sich die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel zurzeit, die von Wühlmäusen geschädigten alten Obstbäume auf der eigenen Wiese zu erhalten, und bitten den Landwirtschaftsminister um einen Zuschuss für die nötige gärtnerische Unterstützung. Hinzu kommt der ökonomische Aspekt mit einer Firma, die unter nahezu realen Bedingungen arbeitet, einem Personalmanagement mit laufenden Einstellungen und Kündigungen und einem zukunftsorientierten Wirtschaften mit Investitionen und Löhnen.

A propos Firma: Die Abkürzung „GmbE“ steht für „Gesellschaft mit besonderen Erfahrungen“. Besser kann man nicht ausdrücken, was die Schülerfirma Raabe Imker GmbE den beteiligten Schülerinnen und Schülern und dem betreuenden Lehrer zu bieten hat. „Das Ganze ist immer noch ein Abenteuer, auch für mich als Lehrer“, sagt Andreas Müller.

Bei Abenteuern ist jeder gern dabei. Als unlängst eine Nachfolgelösung für den aus Altersgründen (10. Klasse!) ausscheidenden Geschäftsführer gesucht wurde, erwiderte die „ausgeguckte“ Nachfolge-Kandidatin auf die schüchterne Anfrage des Lehrers mit den Worten: „Ich sage nicht nur zu, ich fühle mich geehrt.“